Fuehrungskompetenz-Praxis - Dienst nach Vorschrift

Dienst nach Vorschrift – …ein Fass ohne Boden?!

 

Führungskompetenz-PraxisEmotional schwach an ein Unternehmen gebundene Mitarbeiter und Leistungsverweigerer verursachen deutschen Unternehmen jährlich Milliardenschäden. Die Ursachen sind vielfältig, hängen jedoch häufig mit mangelnder Mitarbeiterführung und Mitarbeitermotivation zusammen. Es gibt aber Wege, dieser Entwicklung entgegen zu wirken.

 

Nur jeder 8 Mitarbeiter ist loyal

Nach einer Gallup-Studie fühlen sich in Deutschland nur noch 13 Prozent der Mitarbeiter loyal mit ihrem Unternehmen verbunden. Die übrigen Beschäftigten haben nur eine geringe emotionale Bindung zu ihrem Unternehmen (67 Prozent) oder haben sogar innerlich gekündigt (20 Prozent).

Allein aufgrund der deutlich höheren Fehlzeiten dieser Beschäftigtengruppe gegenüber den loyalen Mitarbeitern entstehen den deutschen Unternehmen jährlich Milliardenschäden. Einem Betrieb mit 1000 Mitarbeitern können dadurch jährliche Zusatzkosten von 485.000 Euro entstehen.

Zudem werden durch diese Mitarbeiter das Betriebsklima und das Leistungsniveau auch der loyalen Mitarbeiter negativ beeinflusst, dem Ansehen des Unternehmens geschadet Und das kreative Potential beeinträchtigt.

 

Tarnkünstler

Mitarbeiter, die nur noch Dienst nach Vorschrift versehen, sind Tarnkünstler par excellence. Sie haben sich innerlich von ihrem Job verabschiedet, verlassen aber nicht ihren Arbeitsplatz. Sie halten sich an einzuhaltenden Regeln und setzen die für sie geltenden Weisungen um – mehr aber auch nicht.

Sobald Sie eine Entwicklung zum Dienst nach Vorschrift wahrnehmen, müssen Sie unverzüglich handeln, um einer Ausbreitung des Phänomens und der damit verbundenen Folgen Einhalt zu gebieten.

 

Häufige Auslöser für Dienst nach Vorschrift

Dienst nach Vorschrift steht in einem engen Zusammenhang mit der Zufriedenheit bzw. der Unzufriedenheit der Mitarbeiter. Werden die Erwartungen und Wertvorstellungen des Mitarbeiters nicht erfüllt, fühlt er sich enttäuscht und frustriert. Viele Mitarbeiter reagieren darauf mit Protest, Resignation und schließlich mit Rückzug in die innere Kündigung und dem Dienst nach Vorschrift.

Diese Entwicklung erfolgt meist langsam und schleichend. Und wird daher oft nicht oder nur bedingt wahrgenommen. Erst deutliche Leistungseinbrüche lassen aufmerken. Wird der Mitarbeiter dann auch noch kritisiert oder unter Druck gesetzt, wird sein Rückzugsverhalten nur noch verstärkt.

 

Ursachen für Dienst nach Vorschrift

Auslöser für die Flucht in die innere Kündigung und den Dienst nach Vorschrift sind zum Beispiel

  • enttäuschte Erwartungen
  • fehlendes Lob
  • mangelnde berufliche Perspektiven
  • Ersticken in Routineaufgaben
  • permanente Überforderung
  • schlechtes Betriebsklima
  • Konflikte mit dem Vorgesetzten oder Kollegen
  • vom Vorgesetzen nicht eingehaltene Zusagen
  • der Mitarbeiter wird zum Sündenbock von Fehlern des Vorgesetzten gemacht
  • persönlichen Problemen des Mitarbeiters wird keine Beachtung geschenkt
  • der Vorgesetzte stellt sich nicht schützen vor seine Mitarbeiter

 

Dienst nach Vorschrift erkennen

Typische Anzeichen für einen Dienst nach Vorschrift sind zum Beispiel

  • erhöhte Fehlzeiten
  • verlängerte Pausenzeiten
  • Verweigerung von Überstunden
  • in sich gewandt sein
  • fehlende Eigeninitiative
  • auf ein Mindestmaß reduzierte Arbeitsleistungen
  • nachlassendes oder fehlendes Engagement
  • Handlungs- und Befugnisspielräume werden nicht ausgeschöpft
  • deutliche Verhaltensveränderungen
  • fehlendes Interesse an beruflicher Weiterbildung und Fortkommen
  • es bilden sich Jammergruppen
  • gemeinsame Aktivitäten lassen nach oder werden gemieden
  • passives Verhalten im Team oder in der Diskussion
  • reduzierte Kommunikation
  • widerspruchsloses Hinnehmen von Anweisungen

Jedoch nicht jedes dieser Anzeichen ist ein absolut sicherer Hinweis für das Vorliegen eines Rückzugsverhaltens. Liegen zeitgleich mehrere Anzeichen vor, ist ein Dienst nach Vorschrift relativ wahrscheinlich, jedoch nicht zwingend vorhanden. Aber auch bereits das Vorliegen eines einzigen Merkmals kann auf ein Rückzugsverhalten hindeuten.

Es bedarf daher einer gewissen Feinfühligkeit und genaueren Betrachtung, um die Anzeichen für einen Dienst nach Vorschrift richtig zu interpretieren und unangemessen zu reagieren.

 

Was Sie in Fällen von Dienst nach Vorschrift machen können

Eine Atmosphäre von Vertrauen und Offenheit ist zur erfolgreichen Mitarbeiterführung und Mitarbeitermotivation wichtiger als eine harte Hand. Gehen Sie den Ursachen auf den Grund. Suchen Sie das Gespräch mit Ihren Mitarbeitern. Fragen Sie sie nach ihren Vorstellungen und Meinungen und zu dem, was sie bedrückt. Hören Sie ihnen aufmerksam zu und suchen und finden Sie gemeinsam Lösungen.

Gehen Sie mit Ihren Mitarbeitern fair und respektvoll um. Schenken Sie ihnen aufrichtige Anerkennung und Lob. Zeigen Sie ihnen ehrlich realistische Perspektiven auf. Lassen Sie Ihre Mitarbeiter selbstständiger und eigenverantwortlichen arbeiten und binden Sie sie in das Verbesserungswesen mit ein.

 

Seien Sie konsequent

Vertrauen zurück zu gewinnen, braucht Zeit und Geduld. Sollten Ihre Bemühungen jedoch nach einer angemessenen Zeit keine Früchte tragen und sich keine Alternativen für eine Verwendung des Mitarbeiters in einem für ihn interessanteren Arbeitsumfeld ergeben, müssen Sie deutliche Grenzen aufzeigen und konsequent sein. Ein missmutiger, demotivierter und arbeitsunwilliger Mitarbeiter kann das gesamte Betriebsklima verderben. Selbst den engagiertesten Mitarbeiter vergraulen. Und die gesamte Teamleistung beeinträchtigen. Schöpfen Sie daher in derartigen Fällen alle Ihnen zur Verfügung stehenden arbeitsrechtlichen Mittel aus und seien Sie konsequent in Ihrem Vorgehen.

 

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